Ausbruchsschutz
Aus diesem Grund will ich hier ein paar Möglichkeiten vorstellen, wie man die Kleinen am Ausbruch hindert und was für Erfahrungen ich mit den einzelnen Methoden gemacht habe. Vorneweg: in den meisten Fällen benutze ich Talkum. Aber auch bei diesem Thema gibt es verschiedene Lager und noch mehr Meinungen, so dass sich am besten jeder seine eigenes Bild machen sollte.
DeckelEigentlich immer eine gute Idee. Jedoch sollte man sich nicht zu sehr drauf verlassen. Gerade bei kleinen Arten finden sich schnell kleine Ritzen. Ist die Kolonie schon größer so fällt der Deckel als alleiniger Ausbruchsschutz auch flach, da man das Formicarium sonst nicht mehr gefahrlos öffnen kann. Hier ist Talkum oder PTFE als zusätzlicher Schutz angeraten. Aufpassen muss man zudem wegen der Belüftung. Bietet der Deckel nicht ausreichend Lüftungsfläche, so kommt es sehr leicht zu Schimmelbildung. Auch wenn ich bei den meisten Formicarien nur Talkum einsetze, so sehe ich bei älteren Kolonien, gerade im Hinblick auf Geschlechtstiere, den Deckel als ein Muss an.TalkumFür mich die beste Alternative. Es funktioniert nach dem Prinzip, dass das feine Talkum unter den Ameisen wegbröselt, sobald sie versuchen drauf zu laufen. Zum Verarbeiten wird das Talkum Pulver mit Wasser gemischt. Am besten eignet sich hier destilliertes Wasser, da bei kalkhaltigem Wasser das Talkum nicht so leicht bröselt. Mit einem Pinsel auf die Scheiben aufgetragen, lässt man es einfach trocknen. Ein etwa 2-3cm breiter Streifen sollte jede Ameise aufhalten. Wie dick man die Brühe anmischt ist Geschmackssache. Lieber etwas weniger Wasser, so lässt sich das Ganze besser auftragen und bildet auch eine dickere Schicht. Hier muss man einfach experimentieren und schauen, mit welcher Konsistenz, es sich am besten Arbeiten lässt. Noch ein Tipp zum Mischen. Talkum mit Wasser mischen ist dank des feinen Pulvers nicht so einfach. Am besten ein kleines gut ausgewaschenes Glas mit Deckeln nehmen. Talkum und Wasser rein, gut schütteln. Nach 10 Sekunden hat man so alles perfekt gemischt.Wo man Talkum herbekommt? Baumarkt(1-2eu für 50g) oder Apotheke. Leider scheint Talkum langsam auszusterben, so dass man es in Baumärkten immer seltener findet. In der Apotheke kann man es notfalls bestellen, wo es allerdigns recht teuer ist. Man muss nur aufpassen, dass es auch reines Talkum ist und nicht irgendwelches Babypuder, in dem noch Öle oder sonstiger Siff enthalten ist. Wie oft muss man erneuern? Hängt von vielen Faktoren ab. Was für und wieviele Ameisen, wie dick war die Schicht... aber trotzdem musste ich noch nie(!) eine Schicht erneuern, weil sie abgenutzt war. Selbst nach 2 Jahren, war noch genügend Talkum drauf um die Ameisen vor dem Ausbrechen zu hindern. Der einzige Grund, warum ich ab und an nachbessern muss, ist meine eigene Schusseligkeit. Der größte Nachteil an Talkum: Leider stößt man viel zu leicht dagegen, was dann ungewünschte Lücken in die Schicht reisst. Hier muss man aufpassen! Auch wenn es nicht ganz so einfach ist, so lassen sich die Löcher aber wieder schliessen. Wie gut wirkt es? Bei großen Ameisenarten wirkt Talkum wirklich sehr gut. Bei kleineren Arten (kleiner als Lasius niger) wirkt es nicht mehr so gut, da sie einfach zu leicht sind und das Talkum so nicht bröselt. Man kann versuchen, es vorsichtig mit einem feinen Pinsel oder einem Stück Klopapier aufzurauen, in dem man ganz leicht über die Oberfläche streicht. Manchmal hilft diese Taktik.. aber bei den meisten kleinen Arten muss man sich einfach etwas anderes überlegen. PTFEPolytetrafluorethylen... oder auch dass, was man von seiner Pfanne als Teflon kennt. Wer mehr wissen will, den verweise ich auf den entsprechenden Wikipedia-Eintrag. Will man PTFE als Ausbruchsschutz benutzen, so kommt man über eine Bestellung bei den einschlägigen Ameisenshops nicht vorbei. Im Baumarkt bekommt man zwar auch PTFE-Produkte, welche sie als Ausbruchsschutz aber überhaupt nicht eignen, da sie immer irgendwelche anderen unerwünschten Zusätze erhalten. Teflon-band funktioniert auch nicht...Zurück zum eigentlichen Thema: PTFE bekommt man als milchige Flüssigkeit, welche mittels Pinsel aufgetragen wird. Nach dem Trocknen bildet sich dann eine milchige Schicht, welche so glatt ist, dass die Ameisen keinen Halt finden und nicht hochlaufen können. Das erste Problem was sich stellt, sind die Silikonnähte in den Ecken. PTFE haftet auf Silikon nicht, weshalb dieses mit einem scharfen Messer vorher entfernt werden muss. Aber auch dann bleiben meist noch kleine Silikonreste, weshalb eine lückenlos aufgetragene PTFE-Schicht beinahe aussichtslos erscheint. Es gibt einen Trick, dass man ein Stück Tesa-Film über die Ecke klebt und das PTFE darauf streicht. Aber auch beim Auftragen auf Glas stellten sich mir so einige Probleme. Es soll wirklich nur eine sehr dünne Schicht sein. Ist sie zu dick, so bilden sich Blasen oder Risse, welchen den Ameisen dann wieder gute Stellen zum Hoch-kraxeln bieten. Deshalb sollte man es am besten ohne Pinsel einfach mit einer Spritze auftragen, runterlaufen lassen und den Rest am Ende wieder auffangen. Nunja, ich habe wirklich sehr viel mit PTFE rumexperimentiert, aber 100%ig sicher konnte ich es so nie auftragen. Meistens waren wohl die Ecken das Problem. Das einzige, wie es bei mir gut funktioniert hat, war mit einem Deckel. PTFE nur um den Rand eines Lochs im Deckel auftragen... ohne Silikonränder.. da kommt keine Ameise so leicht raus. Eine so aufgetragene Schicht hält recht lange und ist zudem auch sicherer gegen unabsichtliche Berührungen, als das bei Talkum der Fall ist. Öl (Paraffinöl)Hier fehlt es mir leider an Erfahrung, da ich Öl nie wirklich über längere Zeit als Ausbruchsschutz eingesetzt habe. Lediglich für kleine Not-Aktionen musste es herhalten und zeigte für kurze Zeit eine gute Wirkung. Selbst auf Ebenen Flächen aufgetragen vermag es große und kleine Ameisen zu stoppen. Doch könnte ich mir vorstellen, dass gerade für den Alltagseinsatz Öl nicht so ratsam ist, da Ameisen die Angewohnheit haben in klebrige Substanzen (wie z.B. Honig und wahrscheinlich auch Öl) Sand, Steinchen und sonstigen Unrat reinzuschmeissen, wodurch sie die Barriere wohl leicht überwinden können. Ganz besonders eignet sich angeblich Paraffinöl, da man es selten erneuern muss und es nicht so schnell ranzig wird ... aber hier fehlt es mir wirklich an Erfahrung.WassergrabenGerade bei sehr kleinen Arten eine wirklich gute Sperre. Der Wassergraben war (bis auf die spätere PTFE-Lösung) die einzige Möglichkeit, wie ich meine Plagiolepis sp. aufhalten konnte. Vorrausgesetzt, dass die Oberflächenspannung des Wassers mit einem Tropfen Spülmittel zerstört wird, stellt ein breiter Wasergraben einen wirklich guten Ausbruchsschutz dar. Allerdings birgt diese Methode auch viele Probleme. Zum einen finden sich sehr schnell ertrunkene Ameisen dort drin... kein schöner Tod für die geliebten Ameisen. Zum anderen muss man ihn recht oft erneuern. So alle 2-3 Wochen ist Wasserwechsel angesagt und die Wanne muss gespült werden. Dies ist bei kleineren Formicarien nocht relativ problemlos. Aber wie will man ein Wassergraben für ein 100x40 Formicarium erneuern?Auch wenn ich diese Erfahrungen noch nicht gemacht habe, so gibt es Berichte, dass größere Ameisenarten (z.B. Polyrhachis) trotz Spülmittel durch den Wassergraben geschwommen oder über den Grund gelaufen sind und so das andere Ufer erreicht haben. Also muss man auch diese Art des Ausbruchsschutz als problematisch ansehen. |