Alles fing damit an, dass ich Mitte März 2006 meine erste Kolonie Lasius niger bekam. Per Post kamen sie gut verpackt in einem Reagenzglas. Zu der Zeit bestand die Kolonie aus einer Königin und 5 Arbeiterinnen. Doch die Kolonie wuchs schnell. 5 Monate später waren es schon um die 100 Tiere. Auch wenn fast immer Arbeiterinnen unterwegs waren und bei Fütterungen ganze Arbeiter-Trupps ankamen, wollten sie das Reagenzglas als Nest nicht verlassen. Dort hatten sie ordentlich Sand und Lehm reingeschafft, so etwas wie Trennwände gebastelt um einzelne Kammern einzurichten. Schien ihnen dort gut zu gefallen. Problem war nur die Feuchtigkeit. Sie mögen es nicht so trocken ... aus diesem Grund war in dem Reagenzglas ein kleiner Wassertank, welcher allerdings zu der Zeit schon ziemlich leer war. Nachfüllen unmöglich! Und so konnten sie sich dann doch irgendwann aufraffen aus dem Reagenzglas in das YTong-Nest umzuziehen.
Doch leben sie nicht von Luft und Liebe. Die Arbeiterinnen brauchen Kohlenhydrate um ihren Energieverbrauch zu stillen. Die Königin braucht
reichlich Proteine zum Eierlegen. Ebenso die Larven für ihr Wachstum. So brauchen sie einen ausgewogenen Speiseplan. Zum einen gibt es Honig
und zum anderen Insekten. Doch sollte man beim Honig aufpassen. Nie zu grosse Tropfen geben, da die Kleinen gerne da drin kleben bleiben und dann ertrinken. An Insekten nehmen sie fast alles. Maden,Fliegen, Spinnen, Mehlwürmer, Grillen, Heimchen.
Kleinere Kolonien sind etwas ängstlicher und die Futtertiere dürfen noch nicht zu gross sein. Aber ab einer bestimmen Grösse vergeht die Angst. Manchmal haben sie etwas Probleme mit dem harten Chitin-panzer... deshalb einfach die Tierchen anschneiden, so dass sie leichter an das leckere Innere kommen. Wichtig ist, dass man die Futterinsekten vorher überbrüht. Zum einen um unliebsame Parasiten wie Milben abzutöten und zum anderen um die Tierchen nicht lebend zu verfüttern. Auch wenn binnen kurzer Zeit sich ein Haufen Ameisen auf das Insekten stürzen, dauert der Kampf sehr lange ... so etwas sollte man den armen Futtertieren ersparen und nicht zuletzt auch seinen Lieblingen. Auch wenn sie in der Überzahl sind, so können sie doch auch so einiges an Verletzungen abbekommen. Auch habe ich es mit harmlosen Futter wie Wurst, Schinken und ähnlichen versucht... kann davon aber nur abraten. Als Alternative zu "getötem Lebendfutter" hat sich bei mir nur Frostfutter aus der Aquaristik-Abteilung bewährt. Aufgetaut und in die Arena gestellt, wird eigentlich immer angenommen auch wenn sie auf Insekten wesentlich mehr abfahren.
Sehr interessant ist es jedenfalls zu beobachten, wie gut die Rekrutierung bei dieser Art erfolgt. Kaum hat eine Arbeiterin Honig oder Futter entdeckt, wird eine Spur zum Nest gelegt, auf der ein ganzer Schwung neuer Arbeiterinnen den Weg zum neuen Futter finden. Aber auch sonst flitzen sie auf der Suche nach Nahrungin der Arena rum, kümmern sich fleissig um die Larven.. füttern, putzen ... das sind ihre Tätigkeiten. Ganz das alte Bild der emsigen Ameise? Schaut man mal genauer ins Nest, merkt man, dass es doch eigentlich ganz schöne Faulpelze sind... es ist zwar immer viel Betrieb, aber die Mehrzahl der Ameisen sitzt einfach nur rum.
Ein Blick in das Nest
Winterruhe! Lasius niger ... auch bekannt als schwarze Wegameise ... es ist eine einheimische Art. Also darf es auch nicht verwundern, dass sie etwa die Hälfte des Jahres Winterruhe hält. Schade, dass man sie gerade an den kalten Wintertagen, an denen man doch am meisten zu Hause sitzt, nicht beobachten kann. Dennoch sollte man dafür sorgen, dass sie in der Zeit Oktober bis März kühl stehen .. so 5°C bis 10°C sollten es sein. Sie brauchen in der Zeit kein Futter.. nur das Nest sollte feucht genug gehalten werden. Manchmal scheint es etwas schwierig zu sein, ein sicheres Plätzchen zu finden, dass kühl genug ist. Besonders wenn draussen das Wetter mal wieder verrückt spielt und es unnormal warm im Winter ist.
Im zweiten Jahr meiner Haltung und somit 3 Jahre seit dem Schwarmflug der Königin, wird die Arena langsam zu klein. Es sind mittlerweile deutlich über 1000 Ameisen. Mehr Platz muss her und eine neue Arena angeschlossen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, das YTong Nest in die Arena zu integrieren. Jetzt wohnen sie nicht nur im Nest sondern haben auch im Sand/Lehm Bereich der Arena ordentlich Boden ausgehoben. Die Königin wurde schon lange nicht mehr gesichtet. Kurz waren auch Puppen von Männchen zu sehen. Doch leider räumten sie alle Puppen und Eier aus dem YTong weg. Dort werden nun nurnoch Larven gelagert. Schade.. man verliert doch einiges an Überblick und auch von eventuellen neuen Geschlechtstieren ist nicht zu sehen. Was aus denen wohl geworden ist ? Auch gegen Ende des Sommers kamen keine heraus ... zum Glück ... Wird es draussen wieder kälter, merkt man auch einen Unterschied bei denen Ameisen drinne ... Sie werden ruhiger. Nehmen weniger Nahrung auf ... bereiten sich auf die Winterruhe vor. Zeit sie wieder kalt zu stellen. Ein weiteres Jahr geht zu Ende. Man darf gespannt sein was das nächste bringt.
Links: neue Arena über Holzstück angeschlossen Rechts: alte Arena mit integriertem YTong-Nest