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Messor alexandri

Was gibt es zu dieser Art zu sagen? Verkauft wurde sie als Messor spec. aus Kleinasien (Orient). Trotz mehrerer Anfragen beim Verkäufer liess sich nichts genaueres über den Fangort der Königin herausfinden. Zum Glück fand ich heraus, wer den Verkäufer beliefert und so konnte ich direkt bei der Person nachfragen, die die Tiere gefangen hatte. Ergebnis: die Tiere stammen aus der Südtürkei aus der Gegend um die Stadt Alanya.
Zuerst dachte ist, dass es sich dabei um Messor ebeninus handelt, was ich mittlerweile aber ausgeschlossen habe. Nachdem ich mich durch mehrere Bestimmungsschlüssel von Ägypten, Balkan, Türkei und Syrien gequält habe, steht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Messor alexandri fest. Jedenfalls war das die einzige Art, die ich nicht wegen irgendwelcher Merkmale ausschließen konnte. Interessant ist, dass diese auch zur Messor structor Gruppe gehören, was die Bestimmung am Ende etwas erleichtert hat.
Was bringt mir jetzt ein Name? Nicht viel. Ich hab gehofft, dadurch mehr über ihre natürliche Lebensweise erfahren zu können.
Angeblich ist es eine Art, die keine Winterruhe hält... ob das stimmt, wird sich zeigen. Sicher ist jedoch, dass wie andere Messor Arten einen Großteil ihrer Nahrung durch Körner gestellt wird. So bin ich gespannt, ob ich der Kolonie dabei zusehen kann, wie sie viele verschiedene Samen sammeln und diese später in so genannten Kau-Gemeinschaften zu Ameisenbrot weiterverarbeiten. Die Königin ist etwa 14mm gross. Die ersten Arbeiterinnen hingegen nur um die 3mm. Doch mit der Zeit sollten sich verschiedene Größen einstellen, da diese Art Minor, Media und Major-Arbeiterinnen in allen Übergangsformen ausbildet. Die Größten werden dabei bis zu 10mm gross. Wird es bei mir auch so sein?

Meine Haltung

Ankunft
Bekommen hab ich die Kolonie im November 2006. Damals war es nur eine Königin. Verwundert war ich, da sie ohne Larven, Puppen oder gar Eier ankam. Doch das änderte sich schon ein paar Tage später. So durfte ich nach etwa 8 Wochen die ersten Arbeiterinnen begrüssen. Die Entwicklung schien gut weiter zu laufen. Kurze Zeit später konnte ich schon die erste grössere Larve entdecken. Auf Grund der geringen Koloniestärke war auch wenig bis garkeine Außenaktivität zu beobachten. Zu sehen war nur, dass ab und an ein paar der ausgelegten Samen verschwanden. Doch weder Honig noch Mehlwurmstücken schienen angerührt zu werden.

Mit ersten Arbeiterinnen
Schon etwas gewachsen
... später
Ein kleines Problem
Ein paar Wochen darauf ist aus der grossen Larve eine stattliche Media-Arbeiterin geworden. Etwa 1,5 mal grösser als ihre kleinen Schwestern. Verwunderlich, dass schon in einem so frühen Koloniestadium eine Media schlüpft. Doch schien es wohl ein Fehler gewesen zu sein. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt die Kolonie sich nicht mehr wirklich weiter. Es war immer ein guter Haufen Brut da, doch kaum waren mal ein paar Arbeiterinnen geschlüpft, waren es ein paar Tage später wieder weniger. Gelegentlich fand ich tote Arbeiterinnen deren Chitinpanzer noch nicht richtig ausgehärtet war mit aufgebissenem Gaster oder Thorax. Dies ging eine Weile bis im August nurnoch die Media-Arbeiterin und eine Minor übrig waren. Als die Media durch ein kleines Missgeschick meinerseits ins Jenseits befördert wurde, hatte ich die Kolonie eigentlich vollends abgeschrieben. Doch schien gerade das das Problem beseitigt zu haben.
Und wieder bergauf
Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Kolonie super und wuchs bis November 2007 auf etwa 50 Individuen an. Körner nehmen sie immernoch sehr gerne auf. Sie haben ein richtiges Lager angelegt. Sie wohnen immernoch in einem Reagenzglas, in dem neben der Brut an die 20 Samen gelagert werden. Jedes Korn, dass ich ihnen anbiete wird auch eingetragen. Honig interessiert sie immernoch nicht. Dafür gehen sie jetzt auch an tote Insekten. Mehlwürmer nehmen sie nur wiederwillig. Grillen schon etwas lieber. Ihre absolute Lieblingsspeise: Drosophilas. Hiervon tragen sie auch alle ein, die ihnen vorgeworfen werden. Teilweise 20 Stück am Tag. Verwertet werden sie auch, da man etwa nur ein Viertel der Drosophilas auf dem Abfall landet ... der Rest verschwindet spurlos. Apropos Abfall: Anscheinend sind es sehr reinliche Tiere, die allen Abfall fein säuberlich auf einen Abfallhaufen legen. Warum dieser Abfallhaufen direkt vor dem Ausgang des Reagenzglases liegt, will mir nicht so ganz einleuchten. Definitiv freuen tut mich ihre Aktivität. Eigentlich ist immer eine Ameise in der Arena. Bei so einer kleinen Kolonie kenne ich das sonst von keiner Art!
Körner
2 streiten sich um Drosophila
Fliegenpuppen sind auch lecker
Das Wachstum ist mittlerweile wieder etwas langsamer geworden, so kommt es mir vor. Grob geschätzt sind es jetzt 70 Arbeiterinnen. Insekten nehmen sie immer lieber an. Körner verschmähen sie zum Teil schon. Eine Sorten ignorieren sie mittlerweile schon komplett. Interessant ist, dass sie mittlerweile umgezogen sind. Irgendwann sah ich ein paar Arbeiterinnen im YTong ... noch sehr unmotiviert gammelten sie dort rum. Eine andere Arbeiterin trug eine Puppe hin und her, wusste wohl nicht so recht, wo sie hingehört. Doch am nächsten Morgen war das Reagenzglas leer und die komplette Sippe in den YTong gezogen.
Brut
Königin
April 2008
Königin
Polymorphismus
Samen zum Frühstück
Mittlerweile sind auch Majoren mit einer stattlichen Größe von 10mm vorhanden. Leider scheinen diese nur im Innendienst tätig zu sein. Die größten Tiere die ich bisher ausserhalb des Nestes gesehen habe, waren etwa 8mm lang.
Doch irgendwann wurde dann das YTong-Nest undicht. Epoxidharz zum Ankleben der Scheibe taugt definitv nicht... hätte ich wohl lieber Silikon nehmen sollen. Jedenfalls wurde es wieder Zeit für einen erneuten Umzug.

Neues Nest

Das neue Nest ist fertig und lange hat es nicht gedauert, bis sie umgezogen sind. Freut mich richtig, dass ich jetzt wieder bessere Möglichkeiten habe sie zu beobachten. Durch die Konstruktion des YTongs ist der eine Teil des Nest feuchter. Schön zu sehen, wie Brut und Samenvorrat getrennt gelagert wird. Jedoch schade ist, dass sie es schon nach 5 Tagen geschafft haben, die Scheibe vollzusauen. Die Ecke links unten scheinen sie wohl als Klo zu benutzen.
ganze Anlage
Nest - Juni 08
Nest - Juli 08
Nest - August 08
Nest - September 08
Video Kolonieentwicklung
Die Kolonie entwickelt sich prächtig weiter. Einzig Sorge macht mir, dass sie ihr Nest ziemlich zumüllen, was leider dazu führt, dass es anfängt zu gammeln. Hoffentlich hat dies keine negativen Auswirkungen.
Langsam wird es im YTong eng und sie scheinen sich nun um Nesterweiterung zu kümmern. Das sie dafür anfangen in der Arena rumzugraben gefällt mir weniger.
Zweitnesteingang unter Stein
große Schwester, kleine Schwester
Müllberg
noch ein Zweignest

Zeit für ein neues Nest

Ihr seht es schon an den Bildern. Sie fangen wild in der Arena an zu graben. Scheinen wohl nicht mehr genug Platz im YTong Nest zu habe. So wurde es Zeit für eine Erweiterung und ein neues 30x20 Nest gebastelt. Habe diesmal ein Experiment gewagt und nicht nur oben bewohnbar Fläche reingefräst sondern auch an den Seiten. Was meint ihr... gute Idee?
Nachdem Anschließen des neuen Nestblock waren die Ameisen eher skeptisch und haben sich nur vorsichtig reingetraut. Einen Tag später war dort schon etwas mehr los. So richtig als Nest scheinen sie es aber noch nicht aktzeptiert zu haben.
neues Nest
ein paar Tage später
neuer Nestblock
Hier sieht man nochmal einen Blick über die gesamte Anlage. Mit den 2 Modulen will ich somit versuchen 2 verschiedene Bereiche zu simulieren. Der ganz linke YTong-Block wird stärker bewässert und nicht erwärmt und soll so als Nestbereiche in "tieferer Erde" dienen, während das rechte YTong-Nest mit einer Heizmatte erwärmt wird und wenig bewässert um so die Erdschicht dicht an der Oberfläche zu imitieren. Ganz rechts ist die Arena zu sehen. Natürlich liegt auf den YTong-Nestern immer eine Abdeckung, welche ich nur für die Fotos runtergenommen habe.

Weiter oben hatte ich doch von Zweignestern geschrieben. Anscheinend haben sie jetzt genug Platz. Das eine Zweignest wurde komplett aufgegeben und das andere wird so gut wie garnicht mehr benutzt.
Noch ein paar Bilder direkt aus dem Nest.
Brut
Ameisenbrot
nochmal Brut


Mitte November 2008

Nun ist es ziemlich genau 2 Jahre her, dass ich die Königin ohne Arbeiterinnen und Brut bekommen habe. Interessante Entwicklung hat sie in diesen 2 Jahren zurückgelegt.
Zurückblickend muss ich sagen, dass es 2 sehr interessante Jahre waren. Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten ist eine wundervolle Kolonie draus geworden. Eigentlich die Kolonie deren Beobachtung mir am meisten Spass macht. Nicht zuletzt durch das viefältige Angebot an Nahrung, die angenommen wird, hat man einies zu beobachten. Schön zu sehen wie sie auch große Beutetiere sorgfältig zerstückeln. Eine sehr saubere Art die ihre gewaltigen Mengen Müll ordentlich auf einem Haufen stapelt. Eine sehr einfach zu haltende Art, wenn man mal auf eine gewisse Koloniegröße gekommen ist. Fütterung ist wie schon angesprochen sehr viel möglich. Kommen auch ohne extra Heizung oder technischen Zubehör aus. Ein trockenes Nest über längere Zeit stört sie auch nicht, wenn es irgendwo noch Frischwasser gibt. Somit sind sie prima 2 Wochen im Urlaub nur mit einer Vogeltränke und ihrem Körnervorrat versorgt. Um einen Ausbruch muss man sich auch bei großen Kolonien keine Sorgen machen, da sie schon Schwierigkeiten habe das Glas hochzuklettern. Die Male wohl es eine Ameise bis zum Talkum geschafft hat, kann ich an einer Hand abzählen. Rundum eine Ameisenart, die ich jedem guten Gewissens empfehlen kann.

Das Ende des Berichts? Weit gefehlt. Werde versuchen auch in Zukunft weiter zu berichten : Jahr 3