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Plagiolepis cf. pygmaea


Eine sehr kleine Art. Die Arbeiterinnen sind 1 bis 1,5mm groß. Die Königinnen mit 3mm etwa vergleichbar mit einer Lasius niger Arbeiterin... vielleicht ist sie doch ein Stück kleiner. Allein die Größe macht einenen sinnvollen Ausbruchschutz sehr schwierig. Für Talkum sind sie zu leicht... sie laufen einfach drüber. Wassergraben ertrinken sehr viele und Gitter bzw. Deckel taugt auch nur begrenzt, da sie wirklich durch jede Ritze kommen. Anfänglich hat eine Konstruktion mit PTFE funktioniert. Wenn sie dann aber doch auf der Suche nach neuem Terrain sind, konnte sie aber auch mein PTFE nicht aufhalten. Was ich bei dieser Art in Sachen Ausbruchschutz schon alles mitmachen musste könnt ihr unten lesen.

Anfang meiner Haltung
In Deutschland sind Plagiolepis eher selten vertreten. Öfters findet man sie hingegen im Mittelmeerraum. Meine Kolonie stammt aus Norditalien. Das erste Jahr verlief recht problemlos. Im Reagenzglas und mit Wassergraben ließ sich die Kolonie das erste Jahr gut halten. Dann kam die Winterruhe, welche etwa 2,5 Monate bei 10°C-12°C im Keller gehalten wurde. Auch diese wurde gut überstanden, so dass ich der Kolonie im neuen Jahr etwas mehr Platz bieten musste.
kurz nach Winterruhe
mit halber Made
nochmal ein Stück Made
So bekamen sie ein neues großes Formicarium mit PTFE und einem YTong Nest. Ihre mediterane Herkunft deutet schon darauf hin, dass es eine sehr wärmeliebende Art ist. Aber welche Ansprüche sie an Feuchtigkeit stellt zeigt sich erst jetzt. Das YTong Nest nahmen sie nicht an... statt dessen zogen sie in den Wassertank des YTong. Nachdem ich diesen Austrocknen ließ wohnten sie wieder im Reagenzglasnest. Doch auch hier war dann der Wassertank leer. Ein Teil der Kolonie zog sich für kurze Zeit in ein Stück knochentrockene Rinde. Später stelle ich dann ein neues Reagenzglas zu Verfügung mit vollem Wassertank und prima abgedunkelt. Das wurde lange Zeit ignoriert... irgendwann schleppten sie ein paar Larven und Puppen rein... mit der Zeit wurden es immer mehr. Die Königinnen, Eier und einen Haufen Larven blieben weiter im knochentrockenen und nicht abgedeckten Reagenzglas. Trockenheit scheint ihnen wirklich nichts auszumachen. Hinzu kommt, dass sie sie sehr schnell umziehen können.
das Formicarium
Umzug
Ameisenstrasse
noch eine halbe Made
Futter: Honig nehmen sie nur spärlich an... tote Insekten aller Art und gefriergetrocknetes Cyklops wird gerne gefressen. Auch wenn die Insekten schon sehr lange rumliegen(andere Arten würden sie nicht mehr annehmen) sieht man hier noch Arbeiterinnen bei der Nahrungsaufnahme. Gegessen wird immer an Ort und Stelle. Die Ameisen sind zu klein um irgendwelche Beutetiere ins Nest zu schleppen. Selbst bei Drosophilas.

Schwarmflug

Am 25. April war es dann so weit. Gegen 10 Uhr verließen etwa 30 bis 40 Männchen das Nest. Begleitet von einem Haufen Arbeiterinnen kletterten sie die Scheiben hoch und wuselten wild durcheinander. Ein paar versuchten abzufliegen ... wirklich weit kamen sie nicht. Ich frage mich, ob sie überhaupt richtig fliegen können. Nach höchstens 10cm stürzten sie ab oder landeten wieder auf der Scheibe. Oder war das alles nur ein kleiner Probelauf und der richtige Schwarmflug kommt später. Das ganze dauerte etwa 1 1/2 Stunden... gegen 11:30 waren fast alle wieder im Nest.



sonst abgedecktes Reagenzglas
trockenes Reagenzglas
Dieses Spekatkel wiederholte sich dann alle paar Tage. Mitte Mai war es besonders viel und gegen Ende Mai/Anfang Juni hörte es dann langsam auf. Ich möchte nochmal wiederholen, dass nur Männchen aus dem Nest kamen. Jedoch konnte ich Anfang Juli ganze 7 entflügelte Königinnen zählen. Als ich die Kolonie bekommen habe, waren es 3 und so war es auch im April als ich die beiden oberen Bilder der Reagenzgläser gemacht habe. Schaut man sich mal die Fachliteratur an, so gilt sowohl Inzucht als auch Begattung innerhalb des Nestes für Plagiolepis pygmea als nachgewiesen. Somit denke ich, dass die Chancen recht gut stehen und die 7 Königinnen auch wirklich alles begattet sind.

Ausbruchschutz? Kennen sie nicht!

Ich bin deprimiert. Gerade mal ein paar Monate hat man neues Formicarium gehalten. Mittlerweile scheint ihnen auch PTFE nichts auszumachen. Klettern einfach drüber. Einen Deckel der wirklich dicht aufliegt habe ich leider auch nicht auf die Reihe gekriegt. Die kleinen Plagiolepis kommen echt überall durch. Bis auf Drahtgitter mit einer Maschenweite von 0,25mm ... ist momentan das einzige womit ich sie sinnvoll in Zaum halten kann. Vor Schreck, dass meine Plagiolepis die PTFE-Sperre inklusive Deckel gleich an 2 Stellen durchbrochen haben, gabs erstmal eine Notumsiedlung. Ein dicht schließendes Gefäß mit etwas Drahtgitter um eine Belüftung zu gewährleisten. Sieht natürlich kein Stück natürlich aus aber wenigstens scheint es (für den Moment) dicht zu sein. Hoffentlich gibt mir das etwas Zeit um etwas neues zu überlegen.
5 Königinnen zu sehen
Plagiolepis-Haufen
Ernüchternde Bilanz einer Umsiedlungsaktion
Bin wohl etwas zu hektisch vorgegangen. Mit Silikon Gaze auf den Deckel geklebt. Hat zwar alles gut gehalten und war ausbruchssicher. Jedoch hätte ich das ganze wohl lieber einen ganzen Tag ausdünsten lassen. Bin mir zwar nicht ganz sicher, ob es an den Ausdünstungen des noch nicht ganz trockenen Silikons lag ... aber durch die Umsiedlungsaktion ist etwa die Hälfte der Arbeiterinnen und 2 Königinnen gestorben. Ein sehr trauriges Ergebnis. Habe dafür einiges gelernt für die Zukunft, dass ich wohl etwas weiter im Vorraus planen soll. Scheinen sich allerdings ganz wohl zu fühlen in ihrer aktuellen Behausung, auch wenn es nur für die Übergangszeit ist. Ein neues Formicarium mit mehr Platz ist bereits in Planung.

Neue Anlage

Im September hab ich es dann endlich geschafft. Die neue Anlage ist fertig. Sieht nicht so schön aus. Doch über die Schläuche haben sie insgesamt 2 Meter Auslauf und das wichtigste: die Arenen schließen dicht und somit kein Ausbruch möglich... so meine Hoffnung ;) Das Nest-Reagenzglas liegt in der großen Arena. Ein zweites ist oben links angeschlossen. Haben natürlich ganz fröhlich das neue Terrain erkundet. Hat mich etwas gewundert diese Aktivität ... aber dazu ein kleiner Rückblick.
Ist mir schon Anfang August aufgefallen, dass fast keine Aktivität mehr zu sehen war. Brut? Nurnoch Larven. Das hat sich bis heute nicht verändert. Ein Zeichen für Winterruhe? Aber dass eine Art aus Norditalien so früh in Winterruhe geht fällt mir schwer zu glauben. Denke ich an letztes Jahr, so erinnere ich mich auch daran, dass sie irgendwann aufgehört haben neue Brut zu produzieren und die Larven sich nicht mehr weiter entwickelt haben. Ohne Absenkung der Temperatur. Allerdings hat es damals erst Ende September angefangen. Bin mal gespannt wie es sich weiter entwickelt. Ende Oktober werde ich sie wohl für die Winterruhe in den Keller stellen.
neue Anlage
Eskorte für die Königin
unfassbar
2 Tage lang hat es gehalten ... dann habe ich mich gewundert, was die Ameisenstrasse an meinem Regal macht... ich konnte sie dann weiterverfolgen bis zu meinen Plagiolepis. Meine neue Hochsicherheitsanlage in 2 Tage unterwandert!
War eigentlich ein sehr interessantes Schauspiel. Schade, dass ich fast keine Fotos gemacht habe... war viel zu interessiert auf der einen und viel zu erschüttert auf der anderen Seite ... dabei habe ich noch Glück im Unglück gehabt. Aber fangen wir mal ganz vorne an. Ich habe die Ameisenstrasse also bis zu ihrem Ursprung weiterverfolgt. Bei der großen Arena, die ich aus einer Ferrero Gardens Schachtel gebaut hatte sind sie am Rand rausgekommen. Auf der einen Seite waren Deckel und Boden noch mit einen Klebestreifen verbunden. Diesen habe ich einfach drangelassen, schließlich hat er es erlaubt, das man den Deckel praktisch hochklappen kann. Ich weiß nicht, ob es an diesem Klebestreifen lag, oder ob die Schachtel einfach nur ungenau verarbeitet war... jedenfalls war die Lücke dort groß genug um sich als Arbeiterin durchquetschen zu können. Einmal eine Lücke entdeckt wird es unter den Schwestern schnell rumerzählt und die halbe Kolonie untersucht mein Regal. Das ist wirklich Unglück :(
Kommen wir zum positiven Teil. Während ich sprachlos dem regen Treiben zuschaue, sehe ich wie eine Königin aus dem Reagenzglas kommt, bewacht von vielen Arbeiterinnen. Keine Chance dachte ich ... das dicke Ding wird doch wohl kaum durch diese Lücke passen. Ich wurde eines besseren belehrt. Zwar hat es etwa 1 Minute gedauert und die Königin hat zwischenzeitlich einen ziemlich zerquetschten Eindruck gemacht, aber letztendlich ist sie wohl behalten aus dem Formicarium gekommen. Das war dann der Punkt wo es mir endgültig gereicht hat. Die Königin wurde schleunigst zurück befördert, zusammen mit ein paar Arbeiterinnen. Kurzer Blick ins Nest ... alle Königinnen da, Arbeiterinnen fehlten einige. War mir egal! Der Deckel wurde mit Tesafilm ordentlich zugeklebt und die komplette Anlage als Insel in die Badewanne gestellt. Erstmal Ruhe vor den Kleinen.

Wie soll es weiter gehen?
Bin irgendwie fertig mit den Nerven. War diese Anlage doch meine letzte Hoffnung, dass man diese Ameisen vielleicht doch noch halten kann. Sowohl artgerecht mit Auslauf für die Kolonie, aber auch bequem für den Halter und am wichtigsten natürlich Ausbruchsicher. Der letzte Punkt ging in die Hose.
Verdammt hartnäckig diese Art und ich scheine sie nicht in den Griff zu bekommen. Eine Art die vielleicht garnicht für die Heimhaltung geeignet ist?
So schnell gebe ich nicht auf. Habe festgestellt, dass die anderen Dosen deutlich dichter schließen. Werde sie noch eine zeitlang in der Badewanne halten und noch etwas weiter testen... vielleicht bekomme ich die Anlage ja doch noch sicher. Aber bin langsam echt am zweifeln, ob ich diese Art weiter halten sollte.

August 2009

Wird mal wieder Zeit für ein Update. Was ist bisher passiert? Winterruhe wurde gut überstanden. Schwarmflug gab es dieses Jahr nicht. Lag wohl an der stark dezimierten Bevölkerung. Ansonsten geht es mit der Kolonie wieder bergauf. Es werden fleißig Eier gelegt und neue Arbeiterinnen groß gezogen.
Das war der positive Teil. Momentan ist die Haltung nicht wirklich interessant. Habe mich bisher noch nicht getraut weitere Versuche in Richtung Formicarium zu unternehmen, so dass sie immernoch in ihrem Behelfs-Formicarium wohnen. Wohl der Hauptgrund warum die Haltung momentan sehr langweilig ist. Praktisch keine Beobachtungsmöglichkeiten, zudem auch keine gute Lösung für die Ameisen. Wenig Platz und ständig rumgerüttelt werden, wenn die Dose zum Füttern geöffnet werden muss. Alles in allem eine schlechte Lösung. Aber immernoch besser als sich mit der Kolonie die Wohnung zu teilen.
momentanes "Formicarium"