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Phyllium celebicum (Wandelnde Blätter)



Interessanterweise wurde in der Grube Messel in Hessen(D) ein 47 Millionen Jahre altes fossiles Insekt gefunden, das auch zu den Wandelnden Blättern gezählt wird. Aber zu der Zeit schwammen ja auch Nilpferde im Rhein. Heutzutage erstreckt sich die Herkunft der Gattung Phyllium über Südostasien. Bei Phyllium celebicum ist es speziell Thailand,China und die Philippinen. Dort sitzen sie auf Bäumen, wie Mango oder Guave, und ernähren sich von deren Blättern. Leider sind sie recht wählerisch und da Mango oder Guave in unseren Breiten doch recht selten vorkommen, muss man sich eben zu helfen wissen. Him-, oder Brombeeren, Eiche und Rosen werden als Alternative auch gern genommen und man findet zum Glück auch im Winter noch Sträucher die Blätter tragen. Somit ist die Fütterung eigentlich recht einfach. Hat man einmal gelernt mit den Dornen umzugehen, so reicht es wenn man einmal in der Woche ein bisschen Brombeeren schneidet und diese in das Terrarium stellt. Damit das Futter länger frisch bleibt, sollte man es irgendwie in Wasser stellen. Da man nicht will, dass die Haustiere bzw. die irgendwann mal gelegten Eier in das Wasser fallen, empfiehlt es sich eine kleine Plastikdose mit Wasser zu füllen und in den Deckel ein paar Löcher zu machen. Dort kann man die Brombeer-Äste ins Wasser stellen und sich nicht mehr um ertrinkende Phylliums sorgen zu müssen. Auch wenn man oft liest, dass sie nachtaktiv sind, muss ich dem wiedersprechen. Auch am Tag sind sie immer freudig am Blätter futtern. Zwar sind sie nicht grad die aktivsten Tiere sondern hocken die meiste Zeit doch eher auf dem selben Blatt, aber dann und wann krabbeln sie doch etwas rum und schauen ob es nicht noch einen besseren Platz an der Sonne gibt.

Männchen(rechts) und Weiblchen(links) in L4 oder L5
Terrarium mit 9 Larven
ausgewachsenes Männchen und Weibchen. Leider hat das Weibchen bei der letzten Häutung die beiden Vorderbeine verloren.
Lebenserwartung der Tiere
Gleich vorweg: Hier habe ich komplett andere Erfahrungen gemacht, als das was man sonst so über diese Tiere liest. Generell wird angegeben, dass die Männchen 4-5 Monate bis zur Adult-Häutung brauchen, Weibchen 5-6 Monate ... soweit stimme ich noch überein. Allerdings sollen die Männchen dann nur 1-2 weitere Monate leben. Die Weibchen hingegen bis zu 6 Monaten. So lange hat bei mir kein Weibchen durchgehalten. Eher so um die 4 Monate. Es gab allerdings auch Einzelfälle wo ein Weibchen schon nach 1 Monat starb. Die Männchen hingegen haben die Weibchen locker überlebt. Obwohl sie früher das Erwachsenenalter erreicht haben, haben sie später geschlüpfte Weibchen mühelos überlebt. Ist das nur eine einzelne Beobachtung? Ich bin schon gespannt auf die nächste Generation. Wer wissen will, wie sich aus einem kleinen Ei ein ausgewachsenes Männchen oder Weibchen entwickelt, der kann sich den Vergleich verschiedener Entwicklungsstadien anschauen.
Haltungsbedingungen
Natürlich stellen sie ausser Futter und Licht noch weitere Ansprüche an die Haltung. Warm sollte es sein ... so etwa 23°C bis 26°C mögen sie gerne. Nachts darf die Temperatur dann auch mal auf bis zu 20°C absinken. Ausserdem mögen sie es feucht. Man sollte regelmässig sprühen um die Luftfeuchtigkeit im Terrarium um die 70% zu halten. Je nachdem wo man wohnt und was für Wasser man dort hat, empfiehlt es sich mit destiliertem Wasser zu sprühen, da man sonst bald nicht mehr durch die Scheibe schauen kann vor lauter Kalk. Die Männchen sind mit 5,5-7cm noch relativ klein und zierlich während die Weibchen mit 7 bis 9cm ordentlich breiter und dicker schon als richtige Brocken angesehen werden können. Dementsprechend brauchen sie auch entsprechend dimensioniertes Terrarium. Ich halte meine Tiere in einem 60x40x40 Terrarium welches ihnen genug Platz bietet, wenn es auch nach oben etwas mehr sein könnte. Sie streben doch lieber nach oben als sich nach links oder rechts zu orientieren. Aufpassen muss man bei der Belüftung. Das Terrarium sollte gut durchlüftet sein. 2 Belüftungsgitter vorne unten und oben hinten sind Pflicht. Schlechte Belüftung kann zu Problemen bei der Häutung führen, was bei mir trotz geeigneter Lüftungsgitter schon ein paar Ausfälle gekostet hat. Oft hört man von aktiv belüfteten Terrarien für Phyllium. Vielleicht werde ich nächstes Jahr mal testen, ob sich der Aufwand rentiert.
L2

Es ist immer wieder schön in einem Terrarium voller grüner Pflanzen seine Wandelnden Blätter zu suchen. Nicht umsonst haben sie ihren Namen bekommen, da es doch einige Zeit dauern kann, bis man diese perfekt getarnten Lebewesen entdecken kann. Nicht nur in ihrem Aussehen, sondern auch in ihrem Verhalten: ihre schaukelnden Bewegungen sollen ein Blattes im Wind nachahmen. Extrem wird es, wenn sie gestört werden oder irgendwie anders in Panik geraten. Dann fangen sie richtig an zu zittern.
Bleibt nurnoch die Frage nach dem Bodengrund ... wie zu jedem Thema gibt es auch hier viele Meinungen. Viele legen einfach Küchenpapier aus, das regelmässig gewechselt wird, da diese Phasmiden doch so einiges an Kot produzieren. So ist alles sauber und auch die gelegten Eier sind gut zu erkennen. Für meinen Teil ist so etwas zu steril. Ich mag lieber natürliche Einrichtung. Von daher habe ich in meinem Terrarium einfachen Torfboden. Leider sieht man die gelegten Eier dort nicht so gut und man muss genauer schauen. Doch es gibt einen viel gewichtigeren Nachteil... gerade bei Menschen wie mir, die stark zur Faulheit tendieren, dass der Boden bald voll mit Kot ist und einfach aufweniger zu wechseln. Mittlerweile hab ich seit etwa 7 Monaten den selben Boden drin. Dieser ist natürlich stark vollgekotet und es fängt schon zum Teil an zu schimmeln. Aber auch hierfür muss es doch eine Lösung geben. Da mein Terrarium mit 2 Ebenen in 2 getrennte Erdbereiche unterteil ist, habe ist testweise eine Käferlarve in einen Teil gesetzt. Diese sorgt dafür, dass der Boden immer frisch umgegraben, kotfrei und sauber ist. Somit enfällt lästiges Austauschen und man hat immer sauberen, natürlichen Boden. Einziger Nachteil: Die Eier werden meist mit umgegraben und die Ausbeute damit kleiner ... Demnächst werde ich statt der Käferlarve mal ein paar Tausendfüsser reinsetzten und schauen wie die sich so als Aufräumtrupp machen.
Fortpflanzung
Ein sehr interessantes Kapitel, denn Phyllium celebicum braucht keine Männer. Die Fortpflanzung kann auch durch Parthenogenese(Jungfernzeugung) erfolgen. Die daraus resultierenden Eier sind aber in jedem Fall weiblich. Züchtet man über mehrere Generationen ohne Männchen, so macht sich dies deutlich bei der Gesundheit und Lebenserwartung der Tiere bemerkbar. Bei komplett geschlechtlicher Fortpflanzung gibt es weniger Ausfälle. Meistens ist es deutlich zu hören, wenn es Ei gelegt wird, da die Weibchen sie mit schnellen Bewegungen ihres Hinterleibs so weit wie möglich wegwerfen wollen. Im Terrarium werden sie somit immer gegen die Scheibe gepfeffert, was einen deutlich hörbares Geräusch hinterlässt. Dass sie dabei kaputt gehen braucht man nicht zu befürchten, da sie wirklich sehr robust sind. Auf diese Weise werden pro Tag 1 bis 3 Eier gelegt, was über die gesamte Lebensspanne eines Weibchens locker über 100 Stück sind. Die gelegten Eier brauchen etwa 4 bis 5 Monate bis sie schlüpfen. Das erste Larvenstadium (L1) ist noch ganz braun. In den ersten Tagen sind sie sehr aktiv und rennen ständig im Terrarium rum, was sich nach ein paar Tagen aber legt. Dann werden sie ruhiger fangen an zu fressen und Häuten sich, was zu der typisch grünen Färbung führt. Nach der vorletzten Häutung zeigen sich dann auch die ersten Ansätze von Flügeln, die aber erst nach der letzten Häutung und somit den ausgewachsenen Tieren voll ausgebildet sind. Trotzdem sind die Weibchen nicht flugfähig. Die Männchen hingegen sind schon in der Lage etwas zu flattern, auch wenn sie die Strecke auf 2 bis maximal 3 Meter beschränkt.
Paarung
glückliches Männchen
ein Haufen Eier