Verkauft wurden sie mir als Hierodula grandis. Da diese Art angeblich nicht in Zucht ist, habe ich etwas nachgeforscht, ob es sich vielleicht um den kleineren Bruder Hierodula membranacea handeln könnte. Jedoch stellte sich heraus, dass es sich um eine ganz andere Gattung handelt. An dem Tuberkel neben den Augen lässt sich mit einem Binokular gut erkennen, dass es sich bei diesen schönen Tieren um Sphodromantis handeln muss. Ob es Sphodromantis lineola oder eine andere Art handelt kann ich leider nicht sagen.
Wo kommen die kleinen denn her? Auch darüber kann ich nicht viel sagen. Sphodromantis kommen in Afrika vor. Die Weibchen dieser Art können mit 8-9cm eine beachtliche Größe erreichen. Mit etwa 7cm bleiben die Männchen etwas kleiner.
Die Farbe kann zwischen gelbgrün,grün bis zu braun oder rotbraun variieren. Wie alle Gottesanbeterin ernähren sie sich räuberisch. Die Geschlechtsunterschiede sind bei ausgewachsenen Exemplaren eindeutig. Das Weibchen ist größer, kräftiger. Die Männchen kleiner und filigraner. Bei jüngeren Tiere lässt es sich nur durch das abzählen der unteren Abdominalsegmente erkennen. Beim Weibchen sind an der Unterseite 6 Segmenten zu erkennen, beim Männchen 8. In ihrem Leben häuten sich die Tiere etwa alle 2-3 Wochen, insgesamt etwa 7 oder 8 mal. Interessant ist, wie aufmerksam diese Tiere sind. Sobald man sich nähert, nehmen sie einen ins Visier und beobachten. Diese Tiere haben wirklich sehr gute Augen. Doch seit wann haben Insekten Pupillen? Auch wenn es immer so aussieht, als ob die Pupille(der schwarze Fleck in den Augen) einen verfolgt, so ist dem nicht so. Wie alle anderen Insekten auch, haben diese Gottesanbeterinnen Facettenaugen und somit keine Pupille. Der schwarze Fleck, auch Pseudopupille genannt, kommt dann zu stande, wenn wir gerade in die jeweiligen Facetten reinschauen und somit das Schwarze im Inneren sehen. Bei den anderen Facetten schauen wir schräg auf die innere Wand der Facetten, die dann grau(grün oder was auch immer) erscheinen.
Haltung
Beachtet man ein paar grundsätzliche Dinge, ist die Haltung nicht schwer. Auf jeden Fall sollten die Tiere einzeln gehalten werden, da sie sehr zu Kannibalismus neigen. Die Größe des Behältnis, richtet sich auch nach der Größe der Tiere, so reicht bei L2-Tieren noch eine Heimchendose. Für ein ausgewachsenes Tier sollte das Terrarium aber mindestens 20x20x30 gross sein. Die Temperatur sollte im Bereich von 22°C-25°C sein. Für längere Zeit darf es aber nicht kälter als 20°C werden. Für die Luftfeuchtigkeit liegt das Optimum um die 70%. Damit dies erreicht wird sollte man am besten täglich sprühen, was aber leicht etwas anstregender werden kann, wenn man mehrere Tiere getrennt hält. Zu dem Zweck stelle ich die Behälter mit den kleinen Tiere in ein altes Terrarium (natürlich geht auch ein anderer belüfteter Behälter. Dort kommt ein Hygrometer und eine Tasse mit Wasser rein. So kann man die Luftfeuchtigkeit leicht überwachen und durch das verdunstende Wasser bleibt die Feuchtigkeit auch länger erhalten und man muss seltener sprühen.Bei größeren bzw. ausgewachsenen Tieren ist natürlich ein größeres Terrarium von Nöten in dem sich die Luftfeuchtigkeit allerdings auch leichter regulieren lässt. Wobei ausgewachsene Tiere im Bezug auf die LF nicht wirklich empfindlich sind. Auch wenn es mal nur 30%-40% macht es ihnen nix aus. Lediglich die Larven bekommen dann Probleme bei den Häutungen. Die Einrichtung kann man nach belieben wählen. Entweder naturnah oder ganz praktisch. Wichtig ist, dass die Tiere viel zum klettern haben. Daher sollte man verschiedene Äste reinpacken. Bei kleineren Tieren eignet sich Holzwolle auch ganz gut. Eine Beleuchtung ist nicht notwendig aber zu empfehlen. Oft liest man davon, dass Energiesparlampen oder Neonröhren, die Tiere blind machen, was ich für ein totalen Irrglauben halte. Nur weil irgendjemand dieses gerücht einmal in die Welt gesetzt hat, hält es sich hartnäckig in Foren und vielen privaten Seiten. Mir ist das noch nie passiert und es gibt auch keine wissenschaftliche Erklärung, warum die Tiere bei Neonlicht erblinden sollten, wenn sie Sonnenlicht schadlos überstehen.
Futter
Wie schon erwähnt, leben Gottesanbeterinnen räuberisch. Die Tiere schnappen eigentlich nach allem was sich bewegt und etwas kleiner ist als sie selbst. Am Anfang kann man somit gut mit Drosophilas füttern. Später sollten es dann Fliegen, Grillen, Motten oder anderes Krabbelzeug sein was groß genug ist. Sogar Mehlwürmer nehmen sie an. Teilweise konnte ich diese sogar mit Pinzette verfüttern. Es ist immer so eine Sache wieviel man füttert. Am besten ist natürlich, wenn immer lebendes Futter da ist, damit die Tierchen sich etwas fangen können, falls der große Hunger kommt. Anderseits meinen manche Leute, dass die Tiere sich so schnell überfressen können, was ich persönlich eher weniger glaube. Ich fülle die Behälter etwa 2 mal die Woche mit Lebendfutter auf, so dass eigentlich immer etwas da ist und bin damit bisher gut gefahren. Kurz vor und kurz nach der Häutung, fressen die Tiere meist weniger oder garnix, was dann aber rasch nachgeholt wird. Sollten die Kleinen mal eine Woche oder noch länger ohne Futter auskommen müssen, schadet es ihnen meist auch nicht.
Hier noch ein paar mehr Bilder. Eine L6 hat sich einen frisch gehäuteten Mehlwurm gefangen und knabbert dran rum. Eine Stunde später ist schon die Hälfte weg, aber der Hunger noch lange nicht gestillt. Im Eifer des Gefechts kann dann auch schonmal ein Stückchen Essen im Auge landen. Eine weitere halbe Stunde später war der Mehlwurm ganz weg ...
Sehr interessant sind auch die verschiedenen Färbungen die auftreten können.
Etwa 2-3 Wochen nach der Adult-Häutung kann
man Männchen und Weibchen verpaaren. Dabei ist darauf zu achten, dass besonders
das Weibchen satt ist, damit das Männchen nicht angeknabbert wird. Weiterhin
sollte man die Paarung irgendwo statt finden lassen wo das Männchen auch genug
Platz zum fliehen hat, wenn der Akt dann vorbei ist. Ich habe als Platz eine
große Zimmerpflanze gewählt und alles lief gut. Die ganze Paarung dauerte etwa
12 Stunden. Etwa 1 Stunde nach der Paarung hat das Weibchen dann die
Spermatophore ausgeschieden. Etwa 1 Woche später wurde dann die erste Oothek
gelegt. 3 Wochen später die zweite.
Bis die erste Oothek geschlüpft ist hat es etwas mehr als 1 Monat
gedauert. Herausgekommen sind etwa 100-200 kleine Tierchen die verdammt schnell
sind und ordentlich rumhüpfen können.
Auch aus den kleinen Larven werden
irgendwann ausgewachsene Tiere, welche wieder verpaart werden wollen. Auch
dieses Mal wurde das Weibchen ordentlich gefüttert, so dass es am Ende garnichts
mehr essen wollte. Die Schabe wurde nur ein bisschen angeknabbert und dann für
eine halbe Stunde reglos in den Fängen gehalten. So vollgefressen konnte das
Männchen dann gefahrlos dazu gesetzt werden.
Dass
eine Verpaarung nicht immer erfolgreich sein muss, zeigen die folgenden Bilder.
Obwohl das Weibchen vorher gut gefüttert wurde, hatte sie wohl keine Lust auf
Fortpflanzung.
Dieses Jahr scheint wohl so einiges schief zu laufen. Das 2te Männchen wurde auch aufgefressen. Erst beim dritten Versuch hat es geklappt. Habe es diesmal ganz spät am Abend versucht, so dass sich das Männchen im Schutz der Dunkelheit angepirscht hat und das Weibchen endlich begattet hat. Ein paar Tage später wurde dann auch schon die Oothek gelegt und ich hatte das Glück das Ganze beobachten zu können. Insgesamt hat es etwas über eine Stunde gedauert, bis die Oothek fertig gelegt wurde.
Auch wenn es wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass das 2te Weibchen nun verpaart wurde und eine Oothek gelegt hat, desto schlechter sieht es bei meinem ersten Weibchen auf. Dieses wurde ja schon vor über 2 Monaten verpaart und legte dann auch eine Oothek. Jedoch ist dort bis heute noch nichts geschlüpft und eine 2te Oothek hätte auch längste gelegt werden müssen. Ist es möglich, dass eine Verpaarung nach außen erfolgreich aussieht, aber trotzdem nichts draus wird? Bin mal gespannt, ob noch etwas passiert.
Nachdem lange nichts passiert ist, hab ich die eine Oothek mal aufgeschnitten. Drinnen sah es wie vertrocknete Larven aus. Vielleicht zu trocken gehalten? Ein paar Wochen später hat es dann aber doch noch geklappt und eine Oothek ist geschlüpft.